PRÜFTECHNIK. WISSEN
Wie reproduzieren Sie einen EV–EVSE-Interoperabilitätsfehler im Labor?
Zeichnen Sie das reale Fahrzeug und die Ladestation auf einer gemeinsamen Zeitbasis auf, einschließlich Kommunikation und verfügbarer elektrischer Messungen. Ermitteln Sie beim EV–EVSE-Interoperabilitätsfehler die erste Abweichung, bilden Sie das unterstützte Verhalten der Gegenstelle mit einem kontrollierten Simulator nach und vergleichen Sie die Reaktion des Prüflings mit dem ursprünglichen Ereignis.
Prüfbereich und Ergebnisse
| Prüfbereich | Was festzulegen oder aufzuzeichnen ist |
|---|---|
| Aufzeichnung im Feld | Identität des Ladepaars, Firmware, Sitzung und Messungen speichern. |
| Erste Abweichung | Anforderung, Signal und elektrische Reaktion vergleichen. |
| Reproduktion im Labor | Unterstütztes Verhalten dem Simulator zuordnen. |
| Wiederholungsprüfung | Den geänderten Prüfling unter denselben festgelegten Bedingungen prüfen. |
Aus der aufgezeichneten Sitzung die Bedingungen für die Reproduktion und die erwartete Reaktion des Prüflings ableiten. Die erste beobachtete Abweichung als Diagnosehinweis behandeln und die Ursache durch Änderung einer kontrollierten Bedingung bestätigen.
Ein wiederholbarer Prüfablauf
- Das vollständige Ladepaar erfassen. Fahrzeug- und Stationskennungen, Firmware, Steckverbindung, ausgehandeltes Protokoll, Sitzungsergebnis und verfügbare elektrische Kanäle dokumentieren. Die Originalaufzeichnung einschließlich des erfolgreichen Ablaufs vor dem Fehler aufbewahren.
- Die erste Abweichung finden. Protokollnachrichten, Control-Pilot-Zustände und gemessene Spannung beziehungsweise Strom zeitlich abgleichen. Vom Abbruch bis zur ersten Anforderung, Zustandsänderung oder Messung zurückgehen, die von einer erfolgreichen Sitzung abweicht.
- Die zu simulierende Gegenstelle wählen. Bei einer Ladestation als Prüfling die Fahrzeugseite nachbilden; bei einem Fahrzeug als Prüfling die Stationsseite. Beobachtete Werte und Zeitabläufe den verfügbaren Funktionen des konfigurierten Simulators zuordnen. Dokumentieren, was der Laboraufbau nicht reproduzieren kann.
- Den Fehlerfall vereinfachen. Eine nachweislich funktionierende Ausgangsprüfung ausführen und danach eine verdächtige Bedingung verändern, etwa eine verzögerte Nachricht oder einen geänderten angeforderten Grenzwert. Die kleinste Sequenz aufbewahren, die dieselbe Reaktion des Prüflings auslöst.
- Die Korrektur erneut prüfen. Den Fehlerfall mit der geänderten Firmware wiederholen und ursprüngliche sowie korrigierte Aufzeichnungen vergleichen. Benachbarte gültige Fälle und eine Sitzung zur Wiederherstellung in die Regression aufnehmen.
Ergebnisse für die Abnahme festlegen
| Prüfkriterium | Nachweis für die Bewertung |
|---|---|
| Gleiche Bedingungen | Der Bericht benennt Protokoll, Firmware, Betriebspunkt und Simulatoreinstellungen sowie Unterschiede zum Aufbau im Feld. |
| Gleiches Fehlerbild | Die Laboraufzeichnung reproduziert dieselbe erste Abweichung und die anschließende Reaktion des Prüflings. Ein beliebiger Abbruch reicht nicht aus. |
| Beobachtbare Reaktion | Die erforderlichen Protokoll- und elektrischen Kanäle sind auf der vereinbarten Zeitbasis mit Ereigniszeitstempeln erfasst. |
| Bestätigte Korrektur | Der korrigierte Prüfling besteht den reproduzierten Fall, benachbarte Grenzfälle und die Wiederherstellung gemäß den versionierten Abnahmekriterien des Projekts. |
Fehlerbeispiele und Diagnoseprüfungen
Abbruch beim Vorladen
Angeforderte Spannung, gemeldete Spannung und gemessenen Ausgang vor dem Abbruch vergleichen. Erfassung, Rampenverhalten und Nachrichtenzeitpunkte getrennt prüfen.
Sporadische Zeitüberschreitung
Das tatsächliche Intervall zwischen Anfrage und Antwort mit der geltenden Anforderung vergleichen. Prüfen, ob die Verzögerung von der Gegenstelle, vom Prüfling oder vom Prüfaufbau stammt.
Nachrichtenaufzeichnung erscheint fehlerfrei
Control Pilot, Verriegelung und verfügbare elektrische Kanäle untersuchen. Eine reine Protokollaufzeichnung kann die Bedingung übersehen, die den Stopp ausgelöst hat.
Praxistipp. Die unveränderte Feldaufzeichnung neben dem vereinfachten Prüffall aufbewahren. Vermutete Ursache, kontrolliertes Experiment und bestätigte Ursache getrennt kennzeichnen, damit der Regressionsfall nach Firmwareänderungen nachvollziehbar bleibt.
Einen reproduzierbaren Testfall entwerfen
Den ursprünglichen Fehlerfall vollständig beschreiben
Beginnen Sie mit der beobachteten Abweichung und dem konkreten Fahrzeug-Stations-Paar. Notieren Sie Hardware, Firmware, Schnittstelle, Kabel, Adapter, Kommunikationsprofil und Betriebsbedingungen. Bewahren Sie die Aufzeichnung des erfolgreichen Vergleichsfalls ebenso auf wie die des Fehlers. Ein allgemeiner Eintrag wie Ladung fehlgeschlagen erklärt noch nicht, welcher Zustand zuerst abwich. Legen Sie fest, welche Nachricht, welches Signal oder welche elektrische Reaktion die Untersuchung beantworten soll. Erfassen Sie die zeitliche Reihenfolge und die verwendete Zeitbasis. Wenn eine Messung im Feld fehlt, kennzeichnen Sie diese Lücke ausdrücklich. Ergänzen Sie sie nicht durch eine Annahme über das Verhalten des anderen Ladepartners.
Für den Laboraufbau die entscheidenden Bedingungen wählen
Übertragen Sie die Bedingungen in einen kontrollierten Aufbau und identifizieren Sie die Funktionen, die der Simulator oder ein anderer Prüfpartner tatsächlich übernimmt. Reproduzieren Sie zunächst den normalen Ablauf. Ergänzen Sie anschließend nur die für die Abweichung relevanten Parameter oder unterstützten Fehler. Eine ähnliche letzte Fehlermeldung beweist noch keine identische Ursache. Vergleichen Sie deshalb die Ereignisse vor dem Abbruch mit der ursprünglichen Aufzeichnung. Bleiben Energieübertragung, Umgebung oder ein bestimmtes Fahrzeugverhalten außerhalb des Laboraufbaus, beschreiben Sie diese Einschränkung im Rezept. Sie bestimmt, welche Schlussfolgerung aus einem erfolgreichen oder fehlgeschlagenen Versuch gezogen werden kann und welche Untersuchung am realen Paar weiter nötig ist.
Eine vermutete Ursache gezielt verändern
Formulieren Sie eine prüfbare Hypothese und verändern Sie jeweils nur die dazu passende Bedingung. Beispielsweise kann untersucht werden, ob ein bestimmtes Nachrichtentiming mit dem beobachteten Zustandswechsel zusammenhängt. Legen Sie vor dem Versuch fest, welche Reaktion die Hypothese stützt und welche Beobachtung gegen sie spricht. Führen Sie unveränderte Vergleichsläufe mit. Eine einzelne erfolgreiche Sitzung nach mehreren gleichzeitigen Änderungen lässt die Ursache offen. Speichern Sie sämtliche Konfigurationen und Aufzeichnungen mit einer gemeinsamen Fallkennung. Halten Sie auch erfolglose Versuche fest, wenn sie eine Annahme ausschließen. So bleibt der Weg zur Korrektur für das Entwicklungsteam nachvollziehbar und bei einer späteren Firmwareänderung wiederholbar.
Beispiel: eine verzögerte Antwort untersuchen
Angenommen, ein Ladepartner beendet eine Sitzung nach einer verzögerten Antwort. Prüfen Sie zunächst in der ursprünglichen Aufzeichnung, welche Anfrage vorausging und ob die erwartete Antwort tatsächlich vorhanden war. Wiederholen Sie im Labor den Referenzablauf und verändern Sie dann das unterstützte Antworttiming gezielt. Bewerten Sie den resultierenden Zustandswechsel anhand des ausgewählten Profils und Anforderungspunkts. Verwenden Sie keinen allgemeinen Zeitgrenzwert, der nicht zum konkreten Verfahren gehört. Nach der Korrektur wiederholen Sie den reproduzierten Fall und angrenzende Referenzfälle. Der Abschlussbericht sollte Beobachtung, Hypothese, Änderung und bestätigtes Ergebnis getrennt darstellen, damit eine plausible Erklärung nicht als bereits bewiesene Ursache erscheint.
Fragen zu diesem Prüfumfang
Lässt sich eine gespeicherte Aufzeichnung immer direkt wiedergeben?
Das erfasste Verhalten den konfigurierten Wiedergabe- und Simulationsfunktionen zuordnen. Elektrische Bedingungen und nicht unterstützte Zustände der Gegenstelle können einen zusätzlichen kontrollierten Aufbau erfordern.
Was macht den reproduzierten Fall für eine Freigabe nützlich?
Er löst den ursprünglichen Fehler vor der Korrektur aus und besteht nach der Korrektur. Erwartete Reaktion, versionierter Aufbau und wiederholbarer Ausgangszustand sind dokumentiert.
Sollte ich mehrere Zeitparameter gleichzeitig verändern?
Mit einer kontrollierten Änderung beginnen. Kombinierte Fehler sind später sinnvoll, wenn der einzelne Auslöser und die erwartete Wiederherstellung verstanden sind.
Reicht eine identische Fehlermeldung für die Reproduktion?
Nein. Vergleichen Sie auch den vorausgehenden Nachrichtenablauf, relevante Signale und die elektrische Reaktion. Derselbe abschließende Fehlercode kann aus unterschiedlichen Ursachen entstehen. Dokumentieren Sie, welche Bedingungen im Labor identisch übernommen wurden und welche Unterschiede die Aussage des reproduzierten Falls begrenzen.
Welche Fälle gehören nach der Korrektur in die Regression?
Der reproduzierte Fehlerfall, ein unveränderter Referenzablauf und die ausgewählten angrenzenden Varianten. Speichern Sie zu jedem Fall die kontrollierten Bedingungen und die Bewertungsregel. Damit lässt sich nachweisen, dass die Korrektur den untersuchten Fehler behebt und die beobachteten Vergleichsabläufe weiterhin wie erwartet funktionieren.
Quellen und weiterführende Informationen
Fachlicher Inhalt: comemso. Aktualisiert am .