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Ratgeber · ISO 15118 erklärt

ISO 15118: So kommunizieren Elektrofahrzeug und Ladestation

Was ISO 15118 regelt, wie sich die Teile -2 und -20 unterscheiden, was Plug & Charge braucht und welche ISO-15118-Pflichten die AFIR ab 2026 und 2027 für Ladepunkte festlegt – und wie Konformität, Analyse und Interoperabilität mit EVCA und comframe geprüft werden.

Was ist ISO 15118? Die kurze Antwort

ISO 15118 ist die internationale Normenreihe für die digitale Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug und Ladestation. Der offizielle Titel lautet „Road vehicles – Vehicle to grid communication interface“. Im Fahrzeug kommuniziert der EVCC (Electric Vehicle Communication Controller), in der Ladestation der SECC (Supply Equipment Communication Controller).

IEC 61851-1 signalisiert über ein PWM-Signal auf dem Control Pilot (CP) nur wenige Zustände und den maximalen Strom. ISO 15118 ergänzt einen vollständigen Datenaustausch: Fahrzeug und Ladestation vereinbaren Energiebedarf, Grenzwerte und Ladeplan, autorisieren den Ladevertrag und steuern mit ISO 15118-20 auch das bidirektionale Laden.

ISO 15118 ermöglicht:

  • Plug & Charge: Das Fahrzeug autorisiert sich mit einem Zertifikat – ohne Karte, ohne App.
  • Intelligentes Laden: Ladeleistung und Ladeplan folgen den Grenzen, die die Ladestation weitergibt, etwa aus Netz oder Tarif.
  • Bidirektionales Laden: Mit ISO 15118-20 kann das Fahrzeug auch Energie zurückspeisen.
  • Gesicherte Kommunikation: TLS-Verschlüsselung, in ISO 15118-20 verpflichtend.

Beim konduktiven AC- und CCS-Laden laufen die Daten als Powerline-Kommunikation (PLC) über die CP-Leitung – eine zusätzliche Ader im Kabel gibt es nicht. Das Megawatt Charging System (MCS) nutzt stattdessen Single-Pair-Ethernet; für die drahtlose Kommunikation gibt es einen eigenen Teil.

Die Teile der ISO 15118 im Überblick

Die Reihe ist in Anforderungsteile und Konformitätsprüfteile gegliedert. Für Fahrzeug- und Ladestationsprüfungen zählen vor allem diese Teile:

TeilInhaltRolle in der Praxis
ISO 15118-1Allgemeine Informationen und AnwendungsfälleBegriffe und Anwendungsfälle für alle anderen Teile
ISO 15118-2Anforderungen an Netzwerk- und Anwendungsprotokoll (1. Generation)Ladeablauf und Plug & Charge mit TLS; seit 2026 von der AFIR gefordert
ISO 15118-3Anforderungen an Bitübertragungs- und SicherungsschichtPLC (HomePlug Green PHY) auf der CP-Leitung, einschließlich Verbindungsaufbau (SLAC)
ISO 15118-4Konformitätsprüfung für Netzwerk- und AnwendungsprotokollPrüffälle für Umsetzungen von Teil 2; als SECC-Prüfbibliothek in comframe
ISO 15118-5Konformitätsprüfung für Bitübertragungs- und SicherungsschichtPrüffälle für Umsetzungen von Teil 3; als SECC-Prüfbibliothek in comframe
ISO 15118-8Bitübertragungs- und Sicherungsschicht für drahtlose KommunikationDrahtlose Datenverbindung
ISO 15118-10Bitübertragungs- und Sicherungsschicht für Single-Pair-Ethernet (2025)10BASE-T1S, etwa für MCS
ISO 15118-20Netzwerk- und Anwendungsschicht der 2. Generation (2022; Änderung 1: 2026)AC, DC, drahtlos und automatisierte Verbindung; bidirektionales Laden; ab 2027 von der AFIR gefordert
ISO 15118-21Konformitätsprüfplan für die gemeinsamen Anforderungen von Teil 20 (2025)Abstrakte Prüfsuite für EVCC und SECC

Die Tabelle zeigt die für Ladeprüfungen relevanten Teile; alle Teile und aktuellen Ausgaben stehen im ISO-Katalog. Die AFIR verweist auf die europäischen Ausgaben (EN ISO 15118).

DIN 70121, ISO 15118-2 und ISO 15118-20 im Vergleich

An heutigen DC-Ladepunkten treffen drei Protokollgenerationen aufeinander. Zu Beginn jedes Ladevorgangs einigen sich Fahrzeug und Ladestation auf ein Protokoll, das beide beherrschen – viele Ladestationen setzen deshalb mehrere davon um.

MerkmalDIN 70121ISO 15118-2ISO 15118-20
Ladeartennur DCAC und DCAC, DC, drahtlos und automatisierte Verbindung
Verschlüsselung (TLS)keineoptional; für Plug & Charge erforderlichverpflichtend (TLS 1.3)
Plug & Chargeneinjaja
Bidirektionales Ladenneinneinja
AFIR–ab 8. Januar 2026 (öffentliche Ladepunkte)ab 1. Januar 2027 (öffentliche und private Ladepunkte)

DIN 70121 war vor ISO 15118-2 die deutsche Spezifikation für die DC-Ladekommunikation. Ältere Fahrzeuge nutzen sie weiterhin, deshalb behalten Ladestationen sie als Rückfallebene. CharIN rechnet damit, dass ISO 15118-2 und die älteren Protokolle mindestens bis 2028 neben ISO 15118-20 im Einsatz bleiben.

Plug & Charge: So funktioniert die automatische Autorisierung

Bei Plug & Charge liegt der Ladevertrag als Vertragszertifikat im Fahrzeug. Beim Einstecken bauen Fahrzeug und Ladestation eine verschlüsselte TLS-Verbindung auf, das Fahrzeug legt sein Zertifikat vor, und die Ladestation prüft es gegen die ausstellende Zertifikatskette. Ist die Prüfung erfolgreich, startet der Ladevorgang – ohne RFID-Karte oder App.

Die Alternative ist die externe Identifikation (EIM, External Identification Means): Die Fahrerin oder der Fahrer identifiziert sich an der Ladestation, etwa mit RFID-Karte oder App; ISO 15118 übernimmt dann nur den Ladeablauf.

Typische Fehler bei Plug-&-Charge-Prüfungen sind ein abgelaufenes Zertifikat, ein fehlendes Stammzertifikat in der Ladestation und eine falsche Systemzeit auf einer Seite. Eine aussagekräftige Prüfung zeichnet deshalb Zertifikatsstatus und Gerätezeit zusammen mit den Nachrichten auf. In EVCA ComOnly sind Zertifikats- und Sicherheitskontext für unterstützte Ladeprofile auf Basis von ISO 15118 konfigurierbar.

Ab 1. Januar 2027 müssen öffentlich zugängliche Ladepunkte mit automatischer Authentifizierung wie Plug & Charge laut AFIR sowohl ISO 15118-2 als auch ISO 15118-20 unterstützen.

Was die AFIR zu ISO 15118 vorschreibt

Die EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) macht ISO 15118 schrittweise verpflichtend. Die technischen Einzelheiten stehen in der Delegierten Verordnung (EU) 2025/656. Die Pflichten gelten für Ladepunkte, die ab dem jeweiligen Datum neu errichtet oder erneuert werden; „erneuert“ heißt: Die Ausrüstung des Ladepunkts wird größtenteils oder vollständig ersetzt.

AbLadepunkte (neu errichtet oder erneuert)Anforderung
8. Januar 2026Öffentlich zugängliche AC- und DC-LadepunkteMindestens EN ISO 15118-1, -2, -3, -4 und -5
1. Januar 2027Öffentlich zugängliche LadepunkteMindestens EN ISO 15118-20:2022; mit automatischer Authentifizierung wie Plug & Charge sowohl ISO 15118-2 als auch ISO 15118-20
1. Januar 2027Nicht öffentlich zugängliche Ladepunkte (Mode 3 und Mode 4)Mindestens EN ISO 15118-20:2022

Der Termin 2027 ist umstritten: Im April 2026 hat CharIN empfohlen, ISO 15118-20 schrittweise einzuführen und die Pflicht zu verschieben, bis konforme Lösungen ausgereift sind. Nach unserem Stand (Oktober 2026) gilt der 1. Januar 2027 weiterhin. Dies ist eine technische Einordnung, keine Rechtsberatung. Mehr dazu: AFIR: Ladezugang, Bezahlung und technische Anforderungen.

So wird ISO 15118 geprüft: Konformität, Analyse und Interoperabilität

ISO-15118-Prüfungen beantworten vier verschiedene Fragen – von einer einzelnen Implementierung gegen die Norm bis zum realen Fahrzeug an der realen Ladestation. Im Labor deckt comemso alle vier mit dem EV Charging Analyzer (EVCA) und der Prüfsoftware comframe ab: EVCA simuliert Fahrzeug oder Ladestation, zeichnet Kommunikation und Leistung auf einer Zeitachse auf und prüft beides gegen die Norm.

PrüfaufgabeWelche Frage sie beantwortetEVCA und comframe
KonformitätBesteht eine Implementierung – der SECC einer Ladestation oder der EVCC eines Fahrzeugs – die genormten Prüffälle? Die Prüffälle stammen für die erste Generation aus ISO 15118-4 und -5, für ISO 15118-20 aus ISO 15118-21.Konformitäts-Prüfbibliotheken in comframe: Die ISO-15118-4/-5-SECC-Prüfbibliotheken für AC- und DC-Ladestationen sind freigegeben, mit PICS/PIXIT-Konfiguration und einem Bericht je Prüffall. CharIN führt comemso als validierten Anbieter eines Conformance Test Systems für die DC-EVSE-Profile Basic und Extended.
ProtokollanalyseWo weicht eine aufgezeichnete Ladesitzung von der Norm ab?Die Automatisierte Normenanalyse vergleicht Nachrichten, Zustandsübergänge und Zeitverhalten mit den konfigurierten DIN-70121- und ISO-15118-Anforderungen und hebt Abweichungen hervor; bei ISO 15118-2 und -3 verbindet sie die übergeordnete Kommunikation mit PLC und dem Zeitverhalten der unteren Signalebene. Sie unterstützt eine formale Konformitätsprüfung, ersetzt sie aber nicht.
RobustheitWie reagiert der Prüfling, wenn sich der Partner grenzwertig oder nicht normkonform verhält?Professional Simulation in EVCA ComOnly und EVCA Flex variiert Werte, Nachrichtenverfügbarkeit, Zeitverhalten und Reihenfolge – bei CCS mit gültigen oder ungültigen DIN-70121- und ISO-15118-2-Parametern innerhalb der XML-Schemabereiche. ComOnly prüft den Ladecontroller, bevor die Leistungshardware existiert.
InteroperabilitätWarum arbeiten ein bestimmtes Fahrzeug und eine bestimmte Ladestation nicht zusammen?EVCA Interop sitzt zwischen realem Fahrzeug und realer Station und zeichnet je nach Konfiguration PLC-, SLAC- und High-Level-Kommunikation, CP/PP-Signale, Spannung und Strom auf einer Zeitachse auf. Manipulating Gateway ändert ISO-15118-Nachrichten, während beide Partner verbunden bleiben; Charge Playback bringt den aufgezeichneten Partner zurück ins Labor (heute in CANoe, in comframe für Q1/2027 geplant).

Die vier Aufgaben bauen aufeinander auf: Eine Konformitätsbewertung zeigt, dass eine Implementierung die Prüffälle besteht – sie garantiert nicht, dass zwei Implementierungen zusammenarbeiten. Deshalb wird Interoperabilität zusätzlich mit realen Partnern geprüft, im Labor und auf Branchenveranstaltungen wie den CharIN Testivals. Sie planen eine Prüfung? Die Interoperabilitäts- und Ladeanalyse beschreibt das Vorgehen; der Produktfinder schlägt das passende EVCA-System vor.

Kommunikationsprüfung bei der Inbetriebnahme

Am installierten Ladepunkt prüft der Test, ob die Ladestation die PLC-Verbindung aufbaut und den Kommunikationsablauf korrekt durchläuft. Eine auffällig hohe Dämpfung beim Verbindungsaufbau weist auf einen beeinträchtigten Signalweg hin.

Schaubild: PLC-Signal auf der CP-Leitung zwischen Wallbox und Tester, danach drei Schritte – PLC-Verbindung mit Dämpfungsmessung nach ISO 15118-3 aufbauen, Kommunikationsablauf nach ISO 15118-2 durchlaufen, Ergebnis im Prüfbericht dokumentieren.
Kommunikationsprüfung nach ISO 15118. Eine hohe Dämpfung beim Verbindungsaufbau (SLAC) weist auf einen beeinträchtigten Signalweg hin.

Easy Chester Micro prüft AC-Ladepunkte nach ISO 15118-2 mit EIM-Authentifizierung, Easy Chester Ultimate AC- und DC-Ladepunkte. Die Erweiterung um ISO 15118-20 ist bei beiden für das erste Quartal 2027 geplant. Die Feldprüfung Schritt für Schritt beschreibt der Ratgeber Wallbox testen; Plug-&-Charge- und bidirektionale Fälle stehen unter ISO 15118-20: Plug & Charge und BPT prüfen.

Häufige Fragen zu ISO 15118

Ist ISO 15118 Pflicht?

In der EU für neu errichtete oder erneuerte Ladepunkte: für öffentlich zugängliche Ladepunkte seit 8. Januar 2026 (Teile 1 bis 5), ab 1. Januar 2027 ISO 15118-20 für öffentlich zugängliche und private Ladepunkte. Rechtsgrundlage ist die AFIR mit der Delegierten Verordnung (EU) 2025/656.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 15118 und OCPP?

ISO 15118 regelt die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation. OCPP (Open Charge Point Protocol) regelt die Kommunikation zwischen Ladestation und Backend des Betreibers. Plug & Charge braucht beides: Die Ladestation tauscht Zertifikatsdaten mit dem Fahrzeug über ISO 15118 und mit dem Backend über OCPP aus.

Was ist der Unterschied zwischen ISO 15118 und IEC 61851?

IEC 61851-1 legt die Grundsignalisierung auf dem Control Pilot fest: PWM-Signal, Zustände und maximalen Strom. ISO 15118 baut darauf auf und ergänzt den digitalen Datenaustausch für Ladeparameter, Authentifizierung und Ladepläne.

Braucht ISO 15118 ein anderes Kabel oder einen anderen Stecker?

Nein. Beim AC- und CCS-Laden läuft das PLC-Signal über die vorhandene Control-Pilot-Leitung des Typ-2- oder CCS-Steckers. MCS nutzt Single-Pair-Ethernet im MCS-Stecker.